«Häsch eigentlich dä Jagi no?», fragte mich kürzlich eine alte Bekannte. «Häsch eigentlich d’Veschpa no?», erkundigte sich ein guter Freund, leidenschaftlicher Motorradfahrer. Es ging um einen Roller und um ein Auto, klang aber ein bisschen wie: «Lebt eigentlich deine Katze noch? Und wie geht es dem Hund, er ist doch so ein Schnügel?» Motorisierte Verkehrsmittel wachsen Menschen ans Herz, das ist bekannt. Die beiden Fragen nach dem Befinden der Fahrzeuge riefen mir das wieder mal in Erinnerung. Und stellten mir eine dritte Frage: Wie ist eigentlich meine Beziehung zum Velo, meinem häufigsten Verkehrsmittel? Das Zweirad ist ja zum Kult- und Statusobjekt geworden, zu einem Vehikel der Selbstdarstellung, einem Ausdruck des eigenen Modebewusstseins und zum beliebten Objekt von Lifestyle-Publikationen. Ich wage von mir zu behaupten: Zum Velo verspüre ich keinerlei emotionale Nähe. Es soll funktionieren. Und es soll ok aussehen, nicht kunterbunt, sondern schlicht. Weil es mir nicht abhanden kommen soll, werde ich nie Tausende von Franken für ein besonders schönes Modell auslegen. Ist der Drahtesel am Ende, wandert er ins Altmetall und wird durch einen neuen ersetzt.
Ich weiss, wovon ich schreibe. Ich besass einen «Jagi», der genau genommen kein Jaguar, sondern ein Daimler (also die Luxusversion des Jaguars) war, und es war auch nicht einer, sondern es war einer und dann noch einer. Am ersten, einer 20-jährigen Occasion, bastelte ich selbst herum, restaurierte das hölzerne Armaturenbrett, riss die Teppiche raus und klebte neue rein, die ich in England geordert hatte. Als der Motor kaputt ging, wurde ein neuer eingebaut. Der Rost war dann trotzdem stärker. Es musste Ersatz ran: Ein Wagen, der noch schöner und stärker war, nämlich einer mit zwölf Zylindern. Er hatte nur eine Macke: Bei heissem Wetter stellte der Motor nach etwa 90 Minuten Fahrt ab, vorzugsweise bergauf. Nach fünf Minuten Pause gings weiter; der Grund für den Aussetzer liess sich nie eruieren. (Das Ende des Wagens kam, als eine leckende Benzinleitung den Motor in Flammen aufgehen liess). Ein neues Auto kaufte ich danach nicht – ich hatte gar keines nötig; die beiden Daimlers hatte ich nur für Ausflugsfahrten gebraucht.
Zur Vespa dies: Sie war so blau wie die Trikots der Azzurri, meiner Lieblings-Nationalmannschaft seit je. Ich kaufte sie 1982 an dem Tag, als Italien an der WM in Spanien Favorit Brasilien 3:2 besiegte. Und ich verkaufte sie vor zehn Jahren – nachdem ich sie zehn Jahre lang kaum noch gebraucht hatte. Die WM 2002 schien mir der richtige Zeitpunkt zu sein. Vielleicht bringt der Wechsel den Azzurri Glück, dachte ich mir. Der Aberglaube aber wirkte ganz logisch: Kaum hatte ich die Glücks-Vespa verkauft, flog Italien in Südkorea gegen die Gastgeber raus.
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Ein Kommentar
danke für Aufklärung – noch ziemlich emotionslos – Chrigel hatte immer das ganze Handschuhfach voller Gummibärli – knallvoll – Chefkoch der Sonne in Hinteregg musste beim Kochen zusehen, wie sein Wagen explodierte – und ich mache immer wieder Tütsch und Chretz, die Mäxl bei Gehrig spachteln und spritzen muss. cb