Gestern hat der Stadtrat von Zürich seinen Masterplan zur Förderung des Veloverkehrs vorgestellt. Ab heute liegen die Pläne zur Errichtung einer sogenannten Kaphaltestelle in der Forchstrasse auf. Gibt es einen Zusammenhang? Nicht direkt. Aber am Projekt der Kaphaltestelle zeigen sich Konflikte, die sich bei der Umsetzung des Masterplanes ergeben. An Details werden sich neue Fronten auftun: Die Veloförderung tangiert unweigerlich die bisherigen Privilegien insbesondere der VBZ, aber auch der Fussgänger.
Kaphaltestellen sind jene Tramstationen, welche die ganze Strassenbreite einnehmen. Sie haben einen Hauptzweck: den Trampassagieren ein sicheres Ein- und Aussteigen zu gewähren. Meistens werden sie in Strassen gebaut, die zu schmal für Traminseln sind. Manchmal aber richtet sie die Stadt auch ein, um den Individualverkehr zugunsten des Kollektivverkehrs zu stoppen, so etwa im Morgental in Wollishofen. Für die Velos legt man in Ausnahmefällen, etwa beim Museum Rietberg, einen Weg um die Station herum an.
Die nun zum Umbau ausgeschriebene Haltestelle Hedwigsteig ist nur eine halbe Kaphaltestelle – stadteinwärts warten die Trampassagiere weiterhin auf einer Insel zwischen Geleisen und Fahrbahn. Doch für einen Veloweg fehlt der Platz, auch bergwärts. Die Forchstrasse ist zu schmal. Trotzdem stellt sich die Frage, ob nicht ein solcher eingerichtet werden könnte – wenn man nur wollte. Braucht es wirklich eine zwei Meter breite Insel zwischen den Tramgeleisen? Die Passagiere, die eines der Trams verlassen, können problemlos auf die andere Seite wechseln – es sei denn, es fahre gerade der Zug aus der anderen Richtung ein. In diesem Falle können sie vor dem stillstehenden Tram warten. Natürlich wird sich dadurch eine Verzögerung von einigen Sekunden bei dessen Abfahrt ergeben. Aber durch den Verzicht auf die Verkehrsinsel liesse sich ein Veloweg zwischen der Tramstation und den Häusern einrichten.
«Wieso eigentlich braucht es überall einen Veloweg?», wird jetzt einwenden, wer vorwiegend im Auto, im Bus, im Tram oder zu Fuss unterwegs ist. «Können die Velofahrer nicht mal einen Moment warten?» Doch, natürlich. Sie sollen es, wenn Fussgänger über den Zebrastreifen gehen, wenn ein Lichtsignal auf rot steht, wenn sie nicht vortrittsberechtigt sind. Aber minutenlang still zu stehen, zu hoffen, das vor einem liegende Kap bald umschiffen zu können? Der Minutengewinn für die Velofahrer zulasten eines Sekundenverlustes fürs Tram wäre ein Gewinn für die Stadt. Denn das Tramnetz lässt sich nicht beliebig ausbauen. Zu den Stosszeiten stehen die Trams an Knotenpunkten wie Bellevue, Central oder Bahnhofplatz bereits heute Schlange. Der unmotorisierte Individualverkehr (UMIV) ist eine notwendige Alternative.
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Ein Kommentar
Kaphaltestellen in einer Steigung sind ein typisches „Zu kurz gedacht“-Ding. Natuerlich kann man die jederzeit mit ein paar Sachzwang-Argumenten verteidigen (behindertengerecht…), aber in Wirklichkeit habe sie in fast jedem Bereich gravierende Nachteile:
– Velofahrer werden sehr eng überholt, ausser sie getrauen sich, in der Mitte der Fahrbahn zu fahren, wo sie dann angehupt werden
– Kaphaltestellen auf Ausfallstrassen wie der Forchstrasse führen zu Schleichverkehr. Wenn der Autofahrer in einer 30er-Zone schneller vorankommt als auf der Hauptstrasse, wird er das tun. Auf dem Russenweg zwischen Burgwies und Balgrist oder auf der Zollikerstrasse ist das bereits der Fall; und das nur, weil beim Balgrist gleich drei Fussgängerstreifen auf die Traminsel führen, statt dass man den Fussgängerverkehr marginal kanalisieren würde.