Superstier ist gut fürs Velo

Fahrt durchs Grüne und Platz zum Überholen: auf dem Velohighway in Kopenhagen.

Der Velo-Highway von Kopenhagen, im Frühjahr eröffnet, ist bereits zum Mythos geworden. «Cykelsuperstier» heisst dieser auf dänisch («stier» meint Pfad); die Kopenhagener Promoter preisen ihn selbst als «Cycle Super Highway». Die Weltpresse hat darüber berichtet. Und in Zürich wurde die Anlage eines Velo-Highways durch die Josefstrasse im Kreis 5 gefordert, und der Gemeinderat Matthias Probst (Grüne) verlangte kürzlich im Interview mit der Wochenzeitung «P.S.», dass Quartierstrassen zu Velostrassen umgenutzt und «kreuzungsfrei» gestaltet würden. Ok, Highway, das klingt wie Autobahn, und eine Autobahn ist bekanntlich kreuzungsfrei, das heisst, alle anderen Strassen kreuzen sie entweder mittels Brücken oder Unterführungen.
Wie sieht die Realität in Kopenhagen aus? Die Veloroute C99 führt vom Zentrum Kopenhagens in den 17,5 Kilometer entfernten Vorort Albertslund. Das erste, zentrumsnahe Drittel, das ich befahren habe, besteht teilweise aus einem Veloweg, so breit wie die Fahrbahn einer Quartierstrasse. Es ist ein bisschen wie auf einer Autobahn; vier Vehikel können bequem nebeneinander fahren, zwei in jede Richtung. Und die Dänen verhalten sich auf ihren Stahlrössern disziplinierter als die Schweizer in ihren Blechkisten: die Langsamen fahren immer schön rechts, so dass die Schnellen links überholen können. «Fahrn, fahrn auf der Autobahn,» kommt einem da in den Sinn, so relaxed geht es vorwärts. Aber nach ein paar Hundert Metern wird der Rhythmus jeweils gestoppt. Nicht, weil der Veloweg enden würde. Aber weil eine Kreuzung mit einer Strasse, oft geregelt durch ein Lichtsignal, ansteht. Immer mal wieder geht’s Strassen entlang weiter, die von Autos befahren werden – allerdings auf eigenen Spuren, die durch Randsteine sowohl von den Autos wie von den Fussgängern abgetrennt sind. In Tempo-30-Zonen führt der Highway wie bei uns, ganz banal, durch Quartierstrassen, die auch von Autos benutzt werden.

Veloweg nach Zürcher Art an der Pfingstweidstrasse in Zürich-West.

Insgesamt ist der Highway kein verrücktes Bauwerk, sondern eine pragmatische Lösung. Und erst der Anfang eines strahlenförmigen Netzes, welches das Zentrum der dänischen Hauptstadt mit ihren Vororten verbinden soll. Er ist auf jeden Fall ein Vorbild für Zürich, wo in den letzten fünf Jahren zwei – breite, flache – Einfallsachsen komplett umgebaut wurden, die Pfingstweidstrasse im Kreis 5 und die Zürcher-/Badenerstrasse zwischen Schlieren und Altstetten. Was hat die Verwaltung dort für die Velos getan? Dann und wann neben dem Fussgänger- ein Velozeichen aufs Trottoir gesprayt.

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Ein Kommentar

  1. Nicole Soland
    Am November 13, 2012 um 10:51 a.m. Uhr veröffentlicht | Permalink

    Noch was zum Stier: Ein Veloweg – ‚en cykelsti‘. Mehrere Velowege – ‚flere cykelstier‘. Nur im Fall… Und: Ich kann dir beipflichten… Nie war das tägliche Velofahren so entspannend wie während der drei Semester als Nordistik-Studi an der Uni Kopenhagen, und das, obwohl es länger her ist;-) Einfach, weil, wie geschrieben, das Velo dort seit langem ein vollwertiges Verkehrsmittel ist.

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