Wäre die Fahrt mit Tram, Bus und S-Bahn gratis, liessen sich gewisse Kosten einsparen: Die Löhne für 140 ZVV-Kontrolleure und für das Personal in den neun Ticketerien, welche die VBZ betreiben. Es bräuchte keinen der 1100 ZVV-Ticketautomaten mehr, die gerade für 63 Millionen Franken neu umgebaut worden sind. Es liessen sich somit (Abschreibung der Automaten auf zehn Jahre) um die 20 Millionen Franken jährlich einsparen. Das ist nichts im Vergleich mit den 424 Millionen, die der ZVV 2010 für den Verkauf von Abos und Billetten einnahm. Und die Idee, die Parkgebühren dem ÖV zugute kommen lassen? Die Stadt Zürich hat 2011 rund 30 Millionen Franken aus Parkuhren und aus dem Verkauf von Dauerkarten für die Blaue Zone eingenommen. Aber diese Einnahmen sind ja laut Stadt (siehe Begründung für die Erhöhung der Parkkarten-Gebühren) nicht einmal kostendeckend. Unter dem Strich würde das Gratisfahren also rund 400 Millionen Franken Mehrkosten für die Allgemeinheit bedeuten; das Defizit stiege auf 550 Franken pro Kantonseinwohner.
Da ist der Mehrverkehr, den das Gratisfahren zweifellos bewirken würde, noch nicht mit ein berechnet. Womit wir zur Grundsatzfrage kommen: Muss der ÖV durch besonders, ja absolut günstige Fahrpreise gefördert werden? Wie ist das schon wieder mit den Klagen über fehlende Sitzplätze und überhaupt Plätze zu den Stosszeiten? Der ÖV ist ohnehin extrem attraktiv: Das zeigt der eben veröffentlichte Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2010. Und: Zwischen 2003 und 2010 haben sich die Frequenzen des ZVV um 30 Prozent erhöht.
Wären Tram, Bus und S-Bahn gratis, gäbe es auf den Strassen vielleicht mehr Platz (für die Velofahrer!), aber im ÖV würde es noch enger.

Ein Kommentar
danke michael, für diese gescheiten gedanken. hätte ich vor ein paar jahren noch ein lautes «hurra» angestimmt, bin ich heute bezüglich gratis-öv wesentlich kritischer. stichworte hierzu sind zersiedelung, pendlerströme, freizeitverkehr. mobilität muss kosten. wenn nicht schweiss (so wie ich es am liebsten habe), dann geld. das heisst aber nicht, dass die mostpreise runter sollen – die dürfen von mir aus so hoch sein wie irgendwie möglich.