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Ich bin auch ein Radio
Vorgestern war ein trüber, nasser und kalter Tag. Und am Steuer des Busses sass ein freundlicher Chauffeur. «No en schöne Tag,» wünschte er bei der einen Station, «uf wiederluege mitenand» bei einer andern. Kein Halt verging, ohne dass er sich von den Fahrgästen verabschiedete. Wie sollte man seine Abschiedsgrüsse verstehen? Als diplomatische Aufforderung, das Gefährt jetzt bitte zu verlassen? Doch die meisten im Bus blieben jeweils sitzen. Oder hoffte der Chauffeur, dass die Minderheit, die den Bus jeweils verliess, seinen Gruss erwidern würde, und «auf Widerseeh» oder «tanke, ihne au» nach vorne brüllen würde? Vielleicht war die Einwegkommunikation des Chauffeurs auch einfach ein Ausdruck einer gewissen Nostalgie an das frühere Motto des Zürcher Verkehrsverbundes, das in diesem Falle gelautet hätte: «Ich bin auch ein Radio».
Dieser Beitrag wurde in ÖV, mit Tram und Bus, VBZ veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

3 Kommentare
Musst mal in Zollikon Bus fahren. Dort ist eine Frau noch circa fünf Meter von der Haltestelle Rebwiesstrasse entfernt. Der Busfahrer hätte gern durchfahren wollen, muss nun aber doch bremsen und für die Frau anhalten – und während er das tut, schreit er durch den Bus: „Blödi Chue!“ Und das ist nur ein Müsterli von vielen, die ich derzeit mit grosser Passion sammle!
Der Zolliker Bus soll sich ein Vorbild nehmen: «Ich bin auch ein VBZ-Bus»
Bei der VBZ wird in der (u. a. für den Lohnanstieg relevanten) jährlichen Qualifikation das Begrüssen und Verabschieden über Mikrofon als einer der wichtigsten Punkte vermerkt. Viele Fahrer wären lieber spontan freundlich und wünschten sich vielleicht einfach persönlich mal ein nettes Wort mit den Passagieren zu wechseln, statt gezwungenermassen den grossen Moderator zu spielen. So eben, wie das ausserhalb Zürichs landauf, landab hinlänglich der Fall ist. Stattdessen sollte man ( je nach Charakter gegen sein u.U. eher bescheidenes Wesen) über Mikrofon den Carchauffeur mimen, auch wenn man dabei missmutig aus der Wäsche schaut und vor Aerger ruppig in die nächste Kurve fährt… Die einen verweigern sich drum dieser internen Anweisung und pfeifen auf die Qualifikation, andere wiederum führen sie wie beschrieben ad absurdum, damit dies ein allfällig mitfahrender Vorgesetzter auch garantiert mitbekommt! In Lenzburg z. B. begrüsst anfangs einer Buslinie eine sympathische Stimme ab Band die Fahrgäste, so wie dies auch bei der SBB der Fall ist. Man fühlt sich als Fahrgast angenehm willkommen. Die VBZ-Führung hingegen will ausdrücklich, dass dies die Fahrer selbst erledigen, weil ausgerechnet die coolen, gerne grosstädtischen Zürcher diese persönliche Note offenbar so sehr schätzen… Dass solch befohlene Persönlichkeit de facto nichts als reine Oberflächlichkeit ist und bei wirklich feinfühligen Zeitgenossen irgendwie absurd rüberkommt, dürfte bei Ihnen eben diesen Blogartikel ausgelöst haben…
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